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Landesregierung und Geschichtsarbeit

Ab dem 05. November 2019 befinden die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg, später die der CDU Brandenburg und der SPD Brandenburg, über den Eintritt in die künftig das Land regierende Koalition aus diesen drei Parteien.
Zu entscheiden haben Sie auch über den in den nächsten fünf Jahren als Arbeitsgrundlage der Regierung dienenden Koalitionsvertrag.

Die Heimat- und Geschichtsvereine des Landes Brandenburg sowie die Ortschronistinnen und Ortschronisten begrüßen die schnelle Einigung zwischen den drei Verhandlungspartnern, was die termingerechte Regierungsbildung ermöglicht und die Aufnahme der Arbeit durch diese. Sie begrüßen auch die zeitnah erfolgte Veröffentlichung der Koalitionsvereinbarung.

Die Koordinierungsstelle Heimat- und Geschichtsvereine/Ortschronistinnen und -chronisten des Landes Brandenburg hat den Koalitionsvertrag ausführlich durchgesehen, und ihn im ersten Teil mit Kommentaren versehen. Die Aussagen für den Themenkomplex "Kultur" können Sie hier finden.

Die Koordnierungsstelle betrachtet die kommentierte Fassung des Koalitionsvertrages als Beitrag zur Diskussion über denselben. Sie verbindet damit zugleich die Hoffnung, dass ihre Überlegungen Eingang finden in den Prozeß der Überarbeitung und Qualifizierung des Vertrages.
Beitragen wollen Sie damit auch zu dem von der neuen Landesregierung verfolgten Ziel, die in Brandenburg lebenden Menschen zu einen.

Die ehrenamtliche Geschichtsarbeit im Land Brandenburg wird von Menschen geleistet,

- die in Brandenburg geboren wurden, aufgewachsen sind und hier - ungeachtet der ihr Leben beeinflussenden gesellschaftlichen Veränderungen - blieben;

- die vor langer Zeit und heute auf der Suche nach Arbeit in dieses Land kamen und sich entschlossen, dauerhaft hier zu bleiben;

- die ein Leben hier als erstrebenswert ansahen und ihre Gegenwart, wie auch die Zukunft in Brandenburg sehen;

- die mehr über ihre Heimat wissen wollen, als in den Büchern und in anderen Publikationen steht, und sich deshalb die mühevolle Arbeit mit den Akten und anderen historischen Dokumenten antun;

- die .......

Es sind Bürgerinnen und Bürger dieses Landes - damit Brandenburgerinnen und Brandenburger. Das ist das, was sie eint.Hinzu kommen gemeinsame Werte, die sie als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes vertreten und möchten, dass sie die Gemeinschaft einendes Gut sind. Dennoch unterscheiden sie sich. Aber es gehört zu einer demokratischen Gesellschaft, die den Zusammenhalt zwischen den Menschen erhalten und festigen will - diese Unterschiede zu akzeptieren und damit umzugehen.

Kontraproduktiv sind diesbezüglich Aussagen, wie die folgende im Koalitionsvertrag enhaltene:

"Gesellschaftlich Engagierte in Vereinen, Parteien, Initiativen, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Verbänden, freiwilligen Feuerwehren, Gewerkschaften oder Betriebsräten sind das Fundament unseres Landes."

Hätte diese Aussage nicht eigentlich so lauten sollen?

Die in Brandenburg lebenden und sich auf unterschiedliche Weise für ihre Heimat einsetzenden und ihre Entwicklung mit befördern wollenden Bürgerinnen und Bürger sind das Fundament unseres Landes.

Diese Aussage und andere im Koalitionsvertrag enthaltene Sachverhalte werden aktuell von den sich in Brandenburg mit der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit befassenden Personen gelesen und diskutiert.

Es ist zu wünschen, dass die Auseinandersetzung mit den Inhalten des künftigen Regierungshandelns, d.h. des Koalitionsvertrages, breiter erfolgt und die Öffentlichkeit nicht nur über die Veröffentlichungen der Medien ergreift.

 


Was benötigt die ehrenamtliche Geschichtsarbeit in Brandenburg?

Wer sich für Veränderungen einsetzt und mit seinem Anliegen Gehör finden möchte, kann nicht beim kritischen Hinterfragen stehen bleiben, sondern sollte Vorschläge unterbreiten (möglichst in sachlicher Weise). Was nachfolgend geschieht.

Bereits im Mai 2018 erfolgte eine Analyse der Situation der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit im Land Brandenburg. Im Infobrief für Geschichtsvereine und Ortschronisten, Nr. 5, wurde sie veröffentlicht.

Festgestellt wurde vor allem, dass es keine klare Zuordnung der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit in den  zum Thema "Kultur" verabschiedeten und als Arbeitsgrundlage dienenden Dokumenten des Landes gibt. Vielfach wird sie gar nicht erwähnt.

Eine Folge davon:

Im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gibt es keine Stelle, die sich speziell der Belange der Heimat- und Geschichtsvereine und der Ortschronistinnen und Ortschronisten annimmt.

Die Landesregierung unterstützt finanziell zahlreiche Aktivitäten zur Auseinandersetzung mit und für die Bekämpfung von extremistischen Aktivitäten. Für weitere Sonderthemen entstanden und entstehen neue Fachstellen.

Die Betreuung und Koordinierung der einige Tausend Menschen, die sich über das Land Brandenburg verteilen und ehrenamtlich mit der Geschichtsforschung befassen, erfolgt seit ihrem Beginn im Jahr 2004 auf private Initiative und durch eine Person. Honoriert wurde dies und die Organisation von zwei großen Veranstaltungen auf Landesebene mit rund 350 Euro brutto im Monat.

Die ehrenamtlichen Geschichtsforscher benötigen:

  • Eine Person oder einen Arbeitsbereich im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, die bzw. der sich ausschließlich mit ihren Belangen befasst. Inhaltlich würde diese Stelle zum Arbeitsbereich 33, Museen, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Erinnerungskultur und Kulturgutschutz, des Ministeriums passen, so steht es auch im Infobrief Nr. 5. Nach reiiflicher Überlegung wird jedoch eine Zuordnung zum Arbeitsbereich 35,Archive, Bildende Kunst, Literatur und Soziokultur, als besser angesehen. Sie würde auch die Rolle der Archive aufwerten. Diese sehen die Kommunen vorwiegend als Verwaltungsarchive an und nicht durchgängig sowie grundsätzlich auch als Historisches Archivgut bewahrende Einrichtungen.

  • Die Überarbeitung der für die Kulturarbeit grundlegenden Dokumente des Landes mit dem Ziel der Einordnung der ehrenamtlich betriebenen Geschichtsarbeit in die vom Land verwendete Definition des Begriffs "Kultur".

  • Die Überarbeitung der Kommunalverfassung des Landes Brandenburg.
    Defintion der Verantwortung  der Kommune und ihrer gewählten Organe für die Erforschung, Propagierung und Nutzung der Ortsgeschichte und die  Arbeit mit den Ortschronisten.
    In der Praxis entziehen sich die Kommunalorgane mit dem Hinweis auf ihre politische Neutralität diesen Aufgaben. Die Kommunen werden verwaltet, nicht geleitet. Die ortschronistische Arbeit wird Ehrenamtlern oder Nichtberufenen überlassen, Finanzen werden in der Regel dafür nicht geplant oder nur in geringen Summen eingesetzt.
    Ergänzung der Kommunalverfassung wie folgt:
    1. Die ehrenamtliche Stellung der Bürgermeister durch hauptamtliche ersetzen.
    2. Erhöhhung des Haushalts der Kommunen, Kommunen müssen darüber selbst verfügen und entscheiden können.
    3. Reduzierung des Umfangs und der Formen der Fördermittel auf ein notwendiges Minimum, bei gleichzeitiger Erhöhung des Haushalts  der Kommunen.

  • Verzahnung der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit mit der Strategie des Landes auf den Gebieten Tourismus, Marketing und Wirtschaftsförderung sowie Wissenschaft, Bildung und Erziehung.

  • Überarbeitung der Definition "Heimat Brandenburg" (Beispiel: Bayern)

  • Erarbeitung eines Gedenkonzepts für das Land Brandenburg, dass alle Zeiten seiner Geschichte beachtet und nicht nur die die (zum Zwecke von Kampagnen) jeweils als bedeutsam angesehen werden