Für Brandenburg gewirkt, und vergessen

Seit es das Land Brandenburg gibt, haben sich viele Menschen - Frauen und Männer, Erwachsene und Jugendliche - mit der Aufarbeitung seiner Geschichte befasst. In Erinnerung konnten sie der Öffentlichkeit bleiben, indem sie ihr Wissen veröffentlichen durften. Wer diese Chance nicht hatte, aus finanziellen Gründen oder wegen fehlender Unterstützung - fiel dem Vergessen anheim.

Vergessen sind aber auch unzählige Heimatforscherinnen und Heimatforscher, die die Chance zum Publizieren hatten. Ihr Manko war, dass sie keiner Partei angehörten - also zu der von den Regierenden ungeliebten Spezies der unabhängigen Geister gehörten - oder sich in der falschen Partei oder Organisation befanden. Oft wurden sie auch Opfer von Neid und Missgunst bei jenen, die vom Diebstahl geistigen Eigentums leben und leben müssen, weil sie zu eigenständiger kreativer Arbeit nicht in der Lage sind. Das sind jene, die grundsätzlich bei Publikationen auf Hinweise darauf verzichten, aus welchen Quellen sie ihr Wissen geschöpft hatten.

Im Land Brandenburg gab und gibt es keine Übersicht über die Personen, die sich ehrenamtlich für die Aufarbeitung und Popularisierung der Geschichte dieses Landes eingesetzt haben. Die einzige Quelle ist - sofern die jeweilige Person veröffentlicht hat, egal ob Buch oder Zeitungsartikel - der Bereich "Brandenburgica" der Landesbibliothek in Potsdam. Doch aus diese Quelle ist gefährdet. Denn schon seit vielen Jahren hat sich die Landesregierung von ihrer Landesbibliothek verabschiedet und deren Mitarbeiterschaft so weit heruntergefahren, dass nur noch die notwendigsten Arbeiten erledigt werden können. Schon seit 1989 gibt es auch nicht mehr die zuletzt von Dorothee Geßner verantwortete Bibliographie "Brandenburgische Literatur der Gegenwart. Regionalbibliographie für die Bezirke Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam". Zusammen mit Joachim Schoßeß hob sie diese unschätzbare Fundgrube 1962 aus der Taufe. 19 Hefte erschienen. Mit der "Potsdam-Bibliographie. Auswahlbibliographie auf der Grundlage des Bestandes der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam", erschienen 1993, musste Dorothee Geßner ihre bibliographische Arbeit einstellen.

 

 

Dorothee Geßner und ihre Arbeit erhielten nie eine öffentliche Würdigung. Das wird auch bei ihrem Ableben - wenn dies überhaupt jemand wahrnimmt, außer ihren Freunden und Bekannten - nicht geschehen. Es darf auch nicht der Fall sein, denn dann müsste sich die Landesregierung daran erinnern, wie unwürdig sie mit den Menschen umgeht und umgegangen ist, die für dieses Land und für seine Regierung unbezahlt unbezahlbare Leistungen erbracht haben und erbringen.